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Mar 4 2020

Weltfrauentag: Frauen in der Spirituosenbranche

Weltfrauentag: Frauen in der Spirituosenbranche

Die Spirituosen-Branche leidet – wie viele andere – unter dem Vorurteil, dass dieses Metier nichts für Frauen ist. Gerade an wichtigen Positionen sucht man sie daher oft vergeblich und so darf sich der Brennereisektor leider zu einer der „männerdominierten“ Bereiche zählen. Geht man aber auf die Suche, findet man die Master Blenderinnen und Destillateurinnen unter uns und das immer häufiger. Die folgenden sechs Beispiele zeigen, dass Geschlecht kein Eignungskriterium für bestimmte Berufe ist, denn egal ob Whisky, Gin oder Genever, diese Frauen verstehen ihr Handwerk.


Rachel Barrie – weltweit erste Master Blender

„Whisky ist was für (echte) Männer“ – was auch immer darunter zu verstehen ist. Dass diese veralteten Rollenbilder endlich begraben werden müssen, zeigt Rachel Barrie, die sich als erste Frau an die wichtigste Position in einer Whisky-Brennerei gewagt hat: Sie war Master Blender bei Glenmorangie und Morrison Bowmore Distillers, bevor sie 2017 zu Benriach wechselte. Seit über 20 Jahren arbeitet sie so mit der Spirituose und beweist damit nicht nur, dass das weibliche Geschlecht ebenso fähig ist, den besonderen Geschmack aus den Whiskys von führenden Produzenten zu kitzeln, sondern auch ihren Mut, neue Wege zu gehen. Ihrer begann bereits mit sieben Jahren – als sie zur Linderung ihrer Ohrenschmerzen von ihrer Großmutter eine Mischung aus einem Fingerhut Whisky, Zitrone und Honig serviert bekam.

Indem sie den „Status quo“, wie sie selbst in einem Interview sagt, in Frage stellt, bewahrt sie Whisky-Tradition, ohne den Wind für Neues zu verlieren. Während ihrer Reise durch die „kleinen Rätsel“ des Whiskys hat ihre feine Nase inzwischen rund 100 000 Destillate erschnüffelt und darf sich so wohl zu einer der erfahrensten zählen, die es aktuell gibt.

Glenmorangie Single Malt Scotch WhiskyGlenmorangie Single Malt Scotch Whisky


Gillian Macdonald – im Whisky-Labor zu Hause

Head of Analytics and Whisky Creation – das ist die offizielle Bezeichnung dessen, was Gillian Macdonald bei Glenmorangie tut. Hinter dieser umständlichen Formulierung verbirgt sich die Arbeit einer Frau, die in der männerdominierten Branche ihren Weg gefunden hat: Nachdem die studierte Chemikerin für The Welsh Whisky Company als Blender und Distiller tätig war, ist sie seit 2012 für die Glenmorangie-Whiskys zuständig – mit allem, was dazu gehört. Oder anders formuliert: Ohne Gillian Macdonald läuft überhaupt nichts.

Mit ihrem Team kauft sie Rohstoffe wie Gerstenmalz, Fässer und Hefe ein, führt die täglichen Qualitätskontrollen für Ardbeg und Glenmorangie durch und stellt Rezepte für neue Batches zusammen. Nach der Verkostung ist sie es, die bestimmt, ob ein Fass abgefüllt werden kann oder es noch ein wenig Ruhe bedarf. Zusammen mit der Entwicklung immer neuer Produkte, die sie oft im Labor vollzieht, wo sie viel Zeit verbringt, ergibt sich ein abwechslungsreicher Job, den Macdonald gerade deshalb so liebt.

Islay Single Malt Sctoch WhiskyIslay Single Malt Scotch Whisky


Caroline Martin – die Meisterin der Whisky-Mischungen

Übersetzt man die geschlechtsneutral-englische Berufsbezeichnung „Master Blender" ins Deutsche mit „Meister-Blenderin"? Nein, denn mit Blendwerk hat es nichts zu tun, was Caroline Martin in ihrem Arbeitsalltag für Diageo macht. Vielmehr mit einer guten Nase und herausragenden sensorischen Fähigkeiten. Hauptsächlich durch das Riechen, seltener auch durch das Schmecken, kontrolliert Master Blender Caroline Martin die Qualität und den gleichbleibenden Geschmack zahlreicher etablierter Whisky Blends von Diageo, wie zum Beispiel Johnnie Walker und J&B Rare.

Roe & Co Irish WhiskeyRoe & Co Irish Whiskey

Auch für die Neukonzeption und das Blending neuer Produkte ist sie zuständig. Das heißt, aus dem Diageo Lagerbestand von über 8 Millionen Fässern voll herausragendem Whisky kann sie nach Herzenslust neue Blends, also Mischungen aus verschiedenen Single Malt und Grain Whiskys, herstellen. Eine ihrer spannendsten Kreationen ist Roe & Co. Über 100 Prototypen aus verschiedenen irischen Whiskeys hatten sie und ihr Team ausprobiert, bevor die endgültige Zusammensetzung der Neuauflage des legendären Roe & Co Irish Whiskey feststand, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts ein Bestseller war.


Myriam Hendrickx – Master Distiller von Rutte

Ohne sie würde beim niederländischen Traditionsunternehmen Rutte nichts funktionieren. Myriam Hendrickx ist seit 2003 Master Distiller des Unternehmens und kümmert sich als solches um Gin und Genever, die schon seit 1872 produziert werden. Die gelernte Lebensmittel-Ingenieurin ist damit für die Rezepturen verantwortlich und alle Produkte liegen in ihren Händen. Sie verfeinert alte Destillate und tüftelt ständig an neuen, ohne jemals ihre Leidenschaft und den Ideenreichtum zu verlieren.

Dabei ist sie der Tradition Ruttes tief verbunden und achtet bei der Überarbeitung alter Rezepte stets darauf, die ganz besondere Persönlichkeit und Geschichte des Unternehmens zu erhalten. Diese drückt zum Beispiel in charakteristischen Botanicals wie Sellerie aus, der den Gins einen besonders würzigen Charakter verleiht und sie zum idealen Begleiter eines Gin Tonics oder eines Basil Smashs macht.

Rutte Gin


Dee Davis – britisch-japanische Kreativität

Dee Davis war 16 Jahre alt, als sie nach Japan reiste und ihre Liebe zu diesem Land entdeckte. Nachdem sie 18 wurde kam eine neue Leidenschaft hinzu – die für Gin. Die Barkeeperin verband diese beiden Vorlieben zu einer herausragenden Idee, mit der sie den von Diageo ausgerichteten Wettbewerb „Show Your Spirit" 2013 gewann. Die Idee handelte von einem britischen Gin mit japanischen Zutaten, den sie in der Folge mit Diageo zur Marktreife entwickeln durfte.

Jinzu Gin Jinzu Gin

Als Basisalkohol wird japanischer Sake verwendet und als Botanicals kommen neben dem obligatorischen Wacholder vor allem Kirschblüten und die asiatische Zitrusfrucht Yuzu zum Einsatz. Heraus kommt der einzigartige Jinzu Gin mit blumigem und sanftem Facettenreichtum, der sich fruchtig weich auf die Zunge legt und pur ebenso wie als Gin & Tonic unbedingt einmal probiert werden sollte.


Lesley Gracie – die außergewöhnliche Frau hinter einem außergewöhnlichen Gin

Ganze neun Monate dauerte es, bis Lesley Gracie und ihr Kollege das endgültige Rezept aus zahlreichen Versuchen und Änderungen herausdestilliert hatten. Als alles passte, war ein Gin geboren, der den Gin-Genuss nachhaltig verändern würde. Vorher wäre schließlich niemand auf die Idee gekommen, einen Gin & Tonic mit Gurkenscheiben zu garnieren. Die Rede ist natürlich von Hendrick's Gin.

Hendrick's Gin

Neben den Gurken spielen auch hier Blüten eine besondere Rolle. Es werden nämlich unter anderem Rosenblüten und Gurken bei der Herstellung verwendet, die den charakteristischen, weichen Geschmack von Hendrick's Gin erzeugen. Doch nicht nur mit Tonic Water und Gurkenscheiben kommt der Gin besonders gut zur Geltung. Lesley Gracie, die von Haus aus Chemikerin ist und als Master Distiller bei Hendrick's bis heute für die Qualitätskontrolle verantwortlich zeichnet, trinkt ihren Gin am liebsten mit Holunderblüten-Sirup und einem Schuss Sodawasser.


Ein Hoch auf die Frauen!

Elisa HanuschNathan Lüders


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