Wie trinkt man Whisky? Tasting-Tipps für alle Sorten

Vor dem ersten Whisky-Tasting – aber auch, wenn man schon einige Erfahrung mit gutem Whisky hat – stellt sich die Frage nach der Art und Weise, wie man Whisky eigentlich richtig trinkt. Für Kenner ist das Whiskytrinken oft fast schon ein Ritual, das immer wieder im gleichen Ablauf zelebriert wird. Doch macht man dabei immer alles richtig? Eigentlich kennt Whisky trinken wie Genuss im Allgemeinen keine Regeln, keine strengen Vorschriften oder absolute Wahrheiten: Richtig ist, was schmeckt!

Wer allerdings die folgenden Tipps befolgt, kann Whisky (und auch Whiskey) besser genießen, seinen Geschmack besser kennen lernen, sowie verschiedene Sorten und Facetten besser identifizieren und vergleichen.

 

Whisky richtig trinken: 3 Grundsatzdiskussionen

Wie trinkt man Whisky? Richtig oder falsch gibt es bei dieser Frage nicht. Man trinkt Whisky am besten immer so, wie es einem persönlich am besten schmeckt. Über den individuellen Geschmack hinaus geben wir aber gerne Antworten auf grundsätzliche Fragen, wie sich guter Whisky am besten genießen lässt.

Drei Fragen sind dabei besonders umstritten:

  1. Trinkt man Whisky mit Eis oder nicht?
  2. Welches Glas ist für Whisky das Richtige?
  3. Wird Whisky nur pur getrunken oder darf man auch mixen?

Bei allen drei Diskussionen lassen sich die Fronten relativ deutlich zwischen den beiden unterschiedlichen Traditionen und Genusskulturen Schottlands (Scotch, meist Single Malt Whisky) und der USA (meist Bourbon Whiskey) verorten. Allerdings gibt es mehr als diese beiden Whisky-Kulturen und auch Ausnahmen, die die Regel bestätigen, sodass am Ende wie so oft der persönliche Geschmack entscheidend ist.

 

1. Trinkt man Whisky mit oder ohne Eis?

Diese Frage kann die größten Kontroversen, ja geradezu Streitigkeiten auslösen. Allzu streng sind dabei oft die Verfechter des reinen Genusses, die irgendwann irgendwo gelernt haben, dass (Scotch Single Malt) Whisky ausschließlich pur ohne Eis bei Raumtemperatur getrunken werden darf. Anstelle von Verboten und Tabus sollten hier jedoch Argumente stehen, die für eine bestimmte Trinkweise sprechen.

 

Whisky richtig verkosten: pur ohne Eis

Für den puren und ungekühlten Genuss eines guten Whiskys spricht vor allem die Tatsache, dass bei niedrigeren Temperaturen viele Geschmacksfacetten ausgeblendet werden. Wer einen komplexen Whisky aus langjähriger ausgeklügelter Fasslagerung wirklich komplett schmecken möchte, der sollte diesen definitiv nicht kühlen, sondern bei Zimmertemperatur verkosten.

Allein schon am Bouquet lässt sich der Unterschied zwischen eisgekühltem Whiskey on the rocks und ungekühltem Whisky erkennen. Denn wo letzterer bereitwillig seinen intensiven Duft verströmt, geradezu in die Nase hinein zu verdampfen scheint, wenn nur die Flasche geöffnet oder das Glas im Raum steht, bleibt der Whiskey auf Eis sprichwörtlich cool und lässt sich von seinem Aromenreichtum wenig anmerken.

Wenn man weiß, wie groß der Einfluss der Nase auch auf den Geschmack ist, wird man schnell erahnen, bei welcher Trinkweise das Geschmackserlebnis intensiver und reichhaltiger sein wird. Will man also einen neu erworbenen Whisky richtig verkosten, sollte man ihn zuallererst pur bei Zimmertemperatur probieren, um den unverfälschten Geschmack voll und ganz wahrnehmen zu können. Hochwertiger und entsprechend hochpreisiger Scotch Single Malt Whisky verbringt nicht dutzende Jahre in sorgfältig ausgewählten Holzfässern, um anschließend eisgekühlt gekippt zu werden wie Bommerlunder oder Jägermeister.

 

Whisky mit Eis (oder eher: Whiskey mit Eis)

Doch es gibt natürlich auch Gründe, die dafür sprechen, Whisky mit Eiswürfeln zu trinken. So kann der intensive Duft eines ungekühlten Whiskys ja auch abschreckend wirken. Und manche allzu penetrante Nuance oder Facette möchte man vielleicht gar nicht schmecken. Teilweise gilt als Qualitätsmerkmal lange gereifter Whiskys, dass durch die Lagerung im Holzfass einige Schärfen und Spitzen aus dem Geschmack des reinen Destillats abgerundet und geglättet werden. Warum sollte man das bei jüngeren Abfüllungen nicht auch durch Kühlung erreichen?

Spricht man allerdings von Whisky mit Eis (oder englisch: „on the rocks“), so ist meistens Whiskey (mit e) gemeint – und zwar amerikanischer Bourbon Whiskey. Mit Eiswürfeln wird dieser traditionell serviert, seit es Eiswürfel gibt. Das hat heutzutage nichts mehr mit vermeintlich mangelnder Qualität zu tun, die durch Eiswürfel kaschiert werden müsste, sondern mit Tradition, Genusskultur – und letztlich wohl auch mit dem Klima. Denn während es in Schottland fast nie zu heiß für lauwarm-facettenreichen und innerlich wärmenden Whisky-Genuss ist, knallt einem meist nicht nur der Alkohol in die Birne, wenn man in den Südstaaten der USA in der Abendsonne einen Whisky trinkt.

So gibt es für uns verschiedene Whisky-Sorten und entsprechende Whisky-Trinkweisen für jede Situation. Jetzt mal ganz ehrlich: Will man an einem gemütlichen heißen Sommerabend zu Gegrilltem oder einer Tüte Chips wirklich einen warmen Whisky nippen oder greift man dann doch lieber zur eisgekühlten Variante im amerikanischen Stil und im guten alten Old-Fashioned Tumbler?

 

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2. Aus welchem Glas trinkt man Whisky?

Womit wir bei der Frage wären, welches das richtige Glas zum Whiky-Trinken ist. Wie eben erwähnt, braucht man für Whiskey on the rocks den klassischen Whiskey-Tumbler. Er zeichnet sich vor allem durch einen dicken Boden aus. Dieser ist genau dafür geschaffen, die Eiswürfel von der Wärme der Hand zu separieren und den Drink möglichst kühl zu halten. Darum kennen wir den Tumbler vor allem aus US-Serien, wo kulturell bedingt wie oben erwähnt eher Bourbon (oder auch Rye Whiskey) „on the rocks“ getrunken wird. Im Tumbler soll eine ordentliche Menge Whiskey und viel Eis Platz haben, das möglichst wenig schmilzt während des Trinkens – am besten ein sehr großer Eiswürfel mit maximaler Oberfläche, also im Optimalfall eine Eiskugel.

Der klassische Tumbler ist auch für traditionelle Whiskey-Cocktails wie den Old Fashioned, den Whiskey Sour oder auch den Manhattan sehr gut geeignet.

 

Whisky pur trinken: Welches Glas ist optimal?

Für die fachkundige Degustation eines guten Whiskys pur bei Normaltemperatur empfehlen wir hingegen das Nosingglas. Dieses zeichnet sich durch eine bauchige und nach oben hin verjüngte Form aus. Von der Größe her hat sich ein Volumen zwischen Schnapskelch und Weißweinglas etabliert, wobei Abweichungen nicht ungewöhnlich sind. Ob Sie ein Glas mit oder ohne Stiel verwenden, hat dabei wenig Auswirkungen auf die aromatischen Vorgänge im Glas.

Warum diese Form und nicht den aus Film und Fernsehen bekannten Tumbler mit dem dicken Boden? Nosinggläser bündeln die flüchtigen Aromen des Whisky nach oben und sammeln diese dort, wo wir sie mit der Nase erschnuppern wollen. Im Ergebnis bekommen wir so also mehr vom gesamten Aromenspiel des Whiskys mit. Der Name Nosingglas bezieht sich auch direkt darauf, dass beim Whisky-Tasting das Riechen mit der Nase („Nosing“) elementarer Bestandteil des Whiskytrinkens ist. Eine andere Bezeichnung der Glasform ist „Snifter“ (vom Englischen Wort „to sniff“ – schnüffeln), wobei man auch einfach Tasting-Glas dazu sagen kann.

Das höhere Volumen des Tumblers, verbunden mit der weiten Glasöffnung, lässt viele der subtileren Aromen verpuffen und lässt zunächst dem dominanteren Alkoholdampf mehr Raum, sodass man hier den Whisky bei ungekühltem Genuss erst lange atmen lassen müsste und das Bouquet nie so differenziert wahrnehmen könnten wie beim Degustations-Glas.

 

3. Wie trinkt man Whisky am besten? Nur pur oder auch gemischt?

Viele Whisky-Kenner werden hier aufhören zu lesen und denken, die Antwort sei doch klar, man könne eindeutig antworten, Scotch Single Malt Whisky ausschließlich pur und wenn schon Cocktails, dann mit Bourbon Whiskey oder einem günstigen Blend. Tatsächlich spricht das bisher Geschriebene und auch die generelle Trinkkultur seit über 100 Jahren für diese Einordnung. Die meisten klassischen Whiskey-Cocktails werden mit US-Whiskey gemixt – statt Bourbon gerne auch noch traditioneller mit Rye Whiskey.

Dagegen sind Scotch Whisky Cocktails eher eine Randerscheinung in der Barkultur oder gelten als wagemutiges Experiment, das allzu leicht auch schief gehen kann und sich spätestens dann dem guten und lange gealterten Whisky als unwürdig erweist. Ebenso wenig ist Irish Whiskey als Cocktail-Whiskey bekannt. Ja, selbst Irish Coffee ist eine Erfindung aus einer Flughafenbar und wird im eigentlichen Irland so gut wie gar nicht getrunken.

 

Auch Whisky mischen hat Tradition und Stil

Doch ganz früher, als man das Wort Cocktail und die moderne Bar noch gar nicht kannte, war Whisky auch auf den britischen Inseln noch ein Getränk, das man nicht pur, sondern als Whisky Punch servierte. Zwar war das eher der noch nicht ganz ausgereiften Destillierkunst geschuldet: Die meisten Destillate dürften pur nur bedingt genießbar gewesen sein (aus ähnlichen Gründen galt auch noch sehr lange Blended Scotch als der höhere Qualitätsstandard im Vergleich zu Single Malt). Aber nichtsdestotrotz kann man sich auch beim heutigen Whisky-Mischen auf Traditionen und kulturelle Vorläufer berufen.

Die Kunst beim Mischen von Whisky besteht darin, ganz gezielt herauszufinden, welchen Whisky man in welcher Menge mit welchen anderen Spirituosen oder Mixern kombinieren möchte. Und um nicht zu viel guten Whisky zu verschwenden, muss man die verschiedenen in Frage kommenden Sorten natürlich zunächst pur verkosten und kennen lernen. Eine ganz altmodische und damit durch Tradition legitimierte Art, Whisky zu trinken, ist natürlich der Cocktail Old Fashioned, der ursprünglich schlicht Whiskey Cocktail hieß und bei dem lediglich die Basiszutaten Zucker, Zitrus, Bitter und Eis dem puren Whiskey hinzugefügt werden.

Doch auch ein gut abgeschmeckter Whiskey Sour bringt den verwendeten Whisky als Basisspirituose noch sehr stark zur Geltung. Selbst bei Whisky-Longdrinks wie Horse’s Neck oder scheinbar profanem Whiskey-Cola wird man je nach Mischungsverhältnis die Unterschiede verschiedener Whisky-Sorten noch herausschmecken. Und so wird die häufig allzu schnell verpönte Art, Whisky zu mischen, zur hohen Kunst, bei der durch exakte Experimente fein abgestimmte Rezepte entstehen, die der ohnehin schon großen Vielfalt des Whisky-Genusses weitere Aspekte hinzufügen.

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