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Sep 22 2016

Single Malt und Blended Whisky: Was ist der Unterschied?

Single Malt und Blended Whisky: Was ist der Unterschied?

Man hört es so oft, dass man es kaum hinterfragt: Single Malt Whisky sei hochwertiger und somit „besser“ als Blended Whisky. Aber stimmt das auch? Kann man wirklich eine Whisky-Sorte so pauschal der anderen vorziehen? Und was genau bedeutet eigentlich Single Malt und wo liegen die wichtigsten Unterschiede zu den populären Blends?


Was heißt Single Malt Whisky?

Single Malt Whisky ist mittlerweile eine Art Qualitätssiegel, das allen voran bei Scotch Whisky verwendet wird. Doch erst seit den 1960er und 70er Jahren wird schottischer Whisky auch international als „Single Malt Whisky“ vermarktet. Als Glenfiddich 1963 damit anfing und diese besondere Whisky-Sorte noch „Pure Malt“ nannte, galt die Idee in Anbetracht der Beliebtheit von Blended Scotch als nicht vielversprechend. Doch seither ist der Siegeszug der Single Malts ungebrochen. Aber was bedeutet Single Malt eigentlich?

Kurz gesagt muss Whisky zwei Bedingungen erfüllen, um sich Single Malt nennen zu dürfen:

  1. Es darf nur der Whisky aus den Fässern einer Destillerie verwendet werden (darum: „single“).
  2. Es darf nur gemälzte Gerste (= „malt“) verwendet werden, kein Weizen oder anderes Getreide.

Die mit dem Begriff „Single Malt“ gerne verbundenen Vorstellungen von besonders hoher Qualität, außergewöhnlich langen Reifezeiten und einem besonders charakteristischen Geschmack (und vielem mehr) treffen zwar häufig zu, sind aber keine Bedingung. Auch dreijähriger Whisky mit fürchterlichen Klebstoffnoten darf sich Single Malt nennen, wenn er die oben genannten Kriterien erfüllt. Single Malt Whisky muss also von Haus aus weder besonders alt noch besonders teuer sein. Doch die bekanntesten Brennereien in Schottland haben sich fast ausnahmslos dem Single Malt verschrieben und so gibt es dort je nach Region verschiedene charakteristische Single Malt Whisky Sorten.


Was heißt Blended Whisky?

Ein Blended Whisky ist nichts anderes als ein Verschnitt aus den Fässern verschiedener Destillerien. Der mit Abstand größte Teil des weltweit konsumierten Whiskys besteht aus Blends: Allein in Schottland entfallen 92 % der gesamten Whiskyproduktion auf diese Variante. Dabei werden meist Whiskys aus unterschiedlichen Getreidesorten kombiniert, beispielsweise ein starker Grain Whisky (bis auf die Lagerungsdauer deutschem Korn sehr ähnlich) mit mehreren Malts. Die Herstellung eines guten Blends ist dabei keineswegs banal, denn die verschiedenen Bestandteile tragen in unterschiedlicher Weise zum angestrebten Geschmacksprofil des Blends bei. Wenn alle Destillate aus Schottland kommen und das komplette Produkt in Schottland hergestellt wird, darf der Whisky Blend auch Blended Scotch heißen. Vor allem in Schottland gibt es auch Whisky Blends, die die besonderen Charakteristika bestimmter Regionen zusammenfassen und bündeln.

Huxley Whiskey kaufen
Guy Fawkes Whisky:
harmonischer Blend, der fruchtig-weiche Highland Malt Whiskys vereint
Big Peat Whisky:
schön torfig-rauchiger Islay Blended Malt Scotch Whisky
Huxley Rare Genus:
außergewöhnlicher trinationaler Blend mit Whisk(e)ys aus Schottland, Kanada und den USA

Jeder verwendete Whisky fügt der Gesamkomposition etwas von seinem ureigenen Charakter hinzu, jedes Fass schmeckt anders und bekannte Whiskys können in Kombination ganz neue Nuancen zeigen. Der verantwortliche Master Blender hat deshalb einerseits den herausfordernden Job, einen bekannten und gut etablierten Blend über Jahre und Jahrzehnte hinweg geschmacklich konstant zu halten – gar nicht so einfach bei jährlich variierender Qualität der einzelnen Malts. Andererseits erwartet man von einem echten Meister irgendwann den nächsten großen Wurf in Sachen Kreativität: den perfekten, noch nie dagewesenen Blend.

John Walker & Sons: Odyssey Triple Malt Blended Whisky


Werden für Blends auch Single Malts verwendet?

Ja! Viele der international bekanntesten Blends beinhalten Anteile namhafter Single Malts, so wird beispielsweise Cardhu zum Abrunden der allermeisten Blends von Johnnie Walker benutzt. Da hilft es, dass beide Betriebe zum gleichen Spirituosen-Konzern gehören...

Blends können sogar ausschließlich aus verschiedenen Single Malts kombiniert werden und dabei ganz schnell in die höchsten Preisklassen aufsteigen, wie der Luxuswhisky Odyssey Triple Malt von Johnnie Walker (siehe Bild) oder der – deutlich günstigere – Johnnie Walker Green Label Whisky. Dann dürfen die Flaschen auch die Bezeichnung „Blended Malt“ tragen.


Trinkt man Blended Whisky anders als Single Malt?

Kurze Antwort: Nein. Trinken Sie Ihren Whisky so, wie er Ihnen am besten schmeckt. Wir empfehlen sowohl für Single Malt als auch für Blends ein klassisches Nosingglas. Ob mit oder ohne Stiel ist eigentlich egal, bzw. eher eine Frage des Stils (ha!) als des Geschmacks. Wichtig ist die Form des Glases selbst: Unten bauchig, nach oben hin verjüngt um die flüchtigen Aromen einzufangen. Der Unterschied zwischen einem Whisky-Nosingglas und solchen für Schnaps oder Grappa liegt übrigens im Volumen, die fruchtigeren Spirituosen werden in der Regel aus schmaleren Gläsern getrunken.

Whisky-Nosingglas von mySpirits
Nosingglas für Whisky von mySpirits: Unten voluminös, nach oben hin verjüngt.
Nosingglas mit langem Stiel von Slyrs: Typische Form bei Whisky-Tastings.
Tumbler mit dickem Boden: Eher für den Genuss mit Eiswürfel(n) gedacht als zur Degustation.

Ist Single Malt nun „besser“ als Blended Whisky?

In dieser Pauschalität: nein. Der wahrgenommene Qualitäts- und wohl auch Wertunterschied zwischen Single Malt und Blended Whisky kommt meines Erachtens vor allem daher, dass simple Blends wie Johnnie Walker Red Label häufig als Einsteigerkategorie in die Welt des Scotch in Supermarkregalen und Tankstellen stehen und deshalb beispielsweise gerne zum Mixen von Cocktails verwendet werden. Die Assoziation „Blend = billig“ lässt sich aber, wie am Beispiel des Odyssey gesehen, so nicht aufrecht erhalten.

Richtig ist, dass Blended Whisky den Massenmarkt dominiert, während Single Malt nach wie vor eher die Hochpreisnische besetzt. Aber so wie es teure Blends gibt, findet man preisgünstige Single Malts – Pauschalaussagen zur allgemeinen Qualität oder Wertigkeit einer gesamten Whisky-Kategorie lassen sich so nicht treffen. Ein guter Blended Scotch kann um Welten besser schmecken als ein mittelmäßiger Single Malt – und umgekehrt.

Whisky kaufen

Was lässt sich also abschließend sagen? „Gut ist, was schmeckt“ mag banal klingen, darauf läuft es aber hinaus. Wer Gefallen an Blended Whisky gefunden hat, für den gibt es keinen Grund, sich mit Gewalt zum Single Malt zu bekehren. Die Unterschiede zwischen den beiden Kategorien sind durchaus relevant und wichtig, aber sie erlauben keine klare Trennung in Qualitätsklassen. Guter Whisky ist guter Whisky, egal ob Blend oder Single Malt.


Sláinte mhath!

Dominique Marze

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